"Schlagende Verbindung - Leidensgeschichte von einem, der auszog, um sich die Hände wund zu drummen

von Kaspar Loeb

 

Auf dem Höhepunkt eines Pop-Konzertes, auf den letzten Schlag in der Basstrommel eine kleine Sprengladung zünden und mit angesengten Brauen mitten in den rauchenden Trümmern meines Schlagzeugs sitzen - das war schon immer mein Traum. Etwas hinderte mich an der Erfüllung meines Wunsches: Ich konnte nicht Schlagzeug spielen. Abhilfe versprach ein im Tram aushängendes kleines Kärtchen, das Schlagzeugunterricht nach neusten amerikanischen Methoden anbot. Im Gebäude des ehemaligen Walche-Theaters in Zürich habe ich zwei Monate lang Erfahrungen mit Trommeln, Schlegel und zwei linken Händen gesammelt.

Mit einem Tee und ein wenig Philosophieren über seine Lehrmethoden empfängt mich Wolfgang Bayha (33), Leiter der "Drum School". Als Andenken an früheren Glanz stehen Theaterstühle herum, das Licht fällt durch ein helles Bogenfenster auf Kakteen, die Atmosphäre ist heimelig. Das ist kein Zufall, sondern ein Teil von Bayhas Lehrmethode. 
Schlagzeugspielen ist für ihn viel mehr als ein rhythmischer Trommelhagel: "Die Leute, die kommen, haben ein Anliegen, das sich im Schlagzeugspielen konkretisiert." Und es kommen nicht nur erfolgshungrige Jungtalente mit Rhythmus im Blut, sondern auch Hausfrauen und "stinkbürgerliche" Geschäftsleute mit Aktenköfferchen, die ihre Lust an Rock, Pop, Jazz oder lateinamerikanischen Tönen entdeckt haben. 
Gerade bei Menschen, die unter Stress stehen, hat das Schlagzeugspielen nach Bayhas Erfahrung eine stabilisierende Wirkung. Durch positives Denken versucht er, bei seinen Schülern und Schülerinnen Spannungen abzubauen. "Stress gibt es keinen. Schlagzeugspielen realisiert man zuerst im Kopf, im Grunde genommen kommt es aber aus unserem Bauch", lautet sein Credo.
Bayha lehrt mit einem Mix aus eigenem Wissen und der lebensbejahenden amerikanischen Art. Kein Wunder, denn er hat seinen Feinschliff am Berkeley College of Music in den USA erhalten, wo Alan Dawson und Garry Chaffee sine Lehrer waren.
Für Bayha sind Schweizer im Gegensatz zu den "Ja-panern" unverbesserliche "Nein-paner". "Man denkt nicht positiv, sondern man bremst, wo man nur kann." Er hingegen setzt von Anfang an aufs Ganze. "Ich gehe massiv vor, dann bist du auf dem richtigen Track".
Nach der sanften Theorie folgt die Erfahrung der Verkrampften Motorik. Nichts von der Souveränden Leichtigkeit der fulminanten Läufe, die man bei Schlagzeugern so bewundert. Am Anfang steht auch bei Bayha das praktische Handwerk. Und wie er vorausgesagt hat, steht mir vorerst einmal der Kopf vor dem rhythmischen Gefühl. Bis alle meine Extremitäten den richtigen Befehl erst noch richtig koordiniert an die Snare-Drum, Cymbals und Basstrommeln weitergeben, bin ich schon lange aus dem vorgeschriebenen Takt gefallen.
Bayha nimmt's gelassen und verzweifelt auch keinen Moment ob meiner leicht spastischen Art, die Schlegel meist neben statt auf die Trommelfläcken sausen zu lassen. überraschung in der zweiten Stunde. Plötzlich entlocke ich den Küblen Töne, die mich tatsächlich an schon einmal Gehörtes erinnern. Da kommt Rhythmus auf. Vor lauter Aufregung fallen mir ab und zu die Schlegel aus den schweissnassen Fingern, aber immerhin - es rockt schon ein wenig. Meine Bewegungen sind zwar noch nicht völlig losgelöst, aber aus dem Spastiker ist doch schon ein Mensch mit geregelten Körperabläufen geworden. Eine Entwicklung ist spürbar. Bayha dazu: "Was ich mache, ist nicht zufällig, sondern alles hat ein System, das einer ganz bestimmten Spur folgt. Was läuft, bleibt für den Schüler immer durchsichtig. Das Programm und das Tempo hängen vom Schüler ab."
Für viele ist er mit seiner offenen Art nicht nur Lehrer, sondern auch Beichtvater. Man glaubt ihm, wenn er für den "Spass an der Kunst" plädiert. Die Lust am Schlagzeug geht bei einigen Angefressenen so weit, dass sie ihren Job gekündigt haben und nur noch halbtags arbeiten. Den Rest der Zeit widmen sie ihrer Trommelfreude. 
Wem also die muskelbepackte Fitnesswelle auf den Geist geht, dem bietet Bayha einen willkommenen Ausgleich - für 50 Franken in der Stunde. Und allfälligen Aussteigern mit schlechtem Gewissen sei's zur Beruhigung gesagt: "Schlagzeugspielen ist wie Liegestützmachen. Viel Schweiss und Arbeit."

 



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Kaspar Loeb:
(Artikel von der Sonntagszeitung vom 22.März 1987)

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